Christian Handel und das Satzgefüge

Christian Handel zu Gast bei „Satzgefüge“

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Am 29. November traf sich die Schreibwerkstatt „Satzgefüge“ zum vierten Mal in der Bibliothek Moers, mit der das Niederrheinische Literaturhaus dieses Jahr kooperierte. Schon beim Betreten des Veranstaltungsraumes war spürbar, dass der Termin mit Fantasy- und Jugendbuch-Autor Christian Handel etwas Besonderes werden würde. Handel hatte zuvor zahlreiche Bücher aus dem Märchen-Bestand der Bibliothek zusammengesucht, die wie kleine Schätze auf dem Tisch lagen und sofort zum Blättern und Entdecken einluden. Sie bildeten den Auftakt zu einem aufschlussreichen und inspirierenden Tag.

Märchenadaptionen vs. Nacherzählungen vs. Märchen-Fantasy

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde, in der alle Teilnehmenden sowohl ihre Motivation für die Teilnahme als auch ihr persönliches Lieblingsmärchen nannten, begann die gemeinsame Arbeit ohne lange Anlaufzeit. Einige Mitglieder der Werkstatt hatten dem Autor bereits im Vorfeld Fragen zukommen lassen, die Handel als idealen Einstieg nutzte. Schnell entwickelte sich ein Gespräch darüber, was ein Märchen eigentlich ausmacht und wie sich Märchenadaptionen sinnvoll von Nacherzählungen oder Märchen-Fantasy unterscheiden. Mit Geduld, Humor und vielen Beispielen erklärte Handel, warum diese Begriffe nicht nur theoretische Kategorien sind, sondern hilfreiche Werkzeuge für das eigene Schreiben.

Besonders praxisnah wurde es beim Thema Gemeinfreiheit. Viele wollten wissen, wie man rechtlich sicher mit alten Stoffen umgeht. Greift man besser zu vertrauten Märchen wie „Schneewittchen“ oder erkundet mutig weniger bekannte Erzählungen wie „Blaubart“ oder „Brüderchen und Schwesterchen“? Der lebendige Austausch zeigte, wie viel kreatives Potenzial die Arbeit mit traditionellen Erzählungen birgt, aber auch wie viel Fingerspitzengefühl sie erfordert.

Queere Lebenswelten und der Literaturbetrieb

Ein inhaltlicher Schwerpunkt, der die Gruppe besonders beschäftigte, war die Gestaltung von Märchen mit queeren Protagonist:innen. Mehrere Teilnehmende mit entsprechenden Projekten wollten wissen, wie man authentische queere Charaktere erschafft, ohne in „dekorative Diversität“ zu verfallen oder sich im eigenen gesellschaftskritischen bzw. moralischen Anspruch zu verlieren. Handel sprach offen über die Herausforderungen, Chancen und die wachsende Offenheit, aber auch die noch immer ambivalente Haltung des Literaturbetriebs gegenüber queeren Lebenswelten. Die Diskussion war ehrlich, sensibel und bereichernd, da sie Raum für Zweifel, Wünsche und klare Positionierungen bot.

In den praktischen Etappen des Workshops wurde vor dem Hintergrund der Diskussion immer wieder konzentriert geschrieben. Unter den Übungen stach besonders eine hervor: Die Teilnehmenden sollten einen Brief an sich selbst verfassen und darin beantworten, warum sie ihre Geschichte erzählen. Was zunächst schlicht klang, entfaltete rasch tiefe Wirkung. Für einige war es sogar ein Moment überraschender Klarheit, der half, Motive und Ziele neu zu ordnen und das eigene Projekt mit frischem Blick zu betrachten.

(Miriam Veronika Fest)

Der Workshop wurde ermöglicht durch eine Förderung des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.

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