
WESTWERKSounds: Karosh Taha und TRACE
Lesung mit Musik
Gulistan lebt mit ihrem Mann Çiya in einem Land, das sie anfeindet für ihre Sprache, ihr Denken, ihr ganzes Sein. Unter dem diktatorischen Regime Saddam Husseins werden sie als Kurden verfolgt. Als Çiya verschwindet, begibt Gulistan sich auf die Suche nach ihm. Nichts kann ihren Willen brechen, ihren Geliebten wiederzufinden, auch wenn ihr immer wieder das Ausmaß ihrer eigenen Ohnmacht vor Augen geführt wird. Schließlich begegnet sie Çiya bei einer Versammlung inmitten einer Menschenmasse wieder – in der Uniform des Diktators, als dessen Doppelgänger. Gulistan wird verhaftet und verliert zunehmend den Verstand, doch entwickelt umso stärkere Widerstandskräfte, nicht erst, als sie von ihrer Schwangerschaft erfährt.
Karosh Taha schreibt über die Angst in den Straßen, die Grausamkeit eines paranoiden Systems und den Widerstand durchs Erzählen, vielstimmig, lyrisch, dicht. Nachdem sie in „Im Bauch der Königin“ bereits mit Erzählkonventionen spielte, sprengt sie in „Gulistan“ deren Grenzen. Das Lesen wird zu einer beinahe körperlichen Erfahrung, verstärkt durch den Dream Pop der Kölner Musikerin TRACE in der konzentrierten Atmosphäre des Freiraum Kunst.

Karosh Taha wurde 1987 in Zaxo, Kurdistan, geboren. Als Kind floh sie mit ihrer Familie vor der Diktatur Saddam Husseins nach Deutschland. Sie hat Englisch und Geschichte an der Universität Duisburg-Essen sowie in Kansas/USA Anglistik studiert. Nach „Beschreibung einer Krabbenwanderung“ und „Im Bauch der Königin“ ist „Gulistan“ ihr dritter Roman. Für ihr Werk erhielt Taha zahlreiche Stipendien und Preise, u. a. den Hohenemser Literaturpreis und die Alfred-Döblin-Medaille. Sie lebt in Köln.

TRACE ist Singer-Songwriterin, Produzentin, Performerin und Instrumentalistin. Ihre Musik ist eine Form der technologischen Selbsterschaffung, eingebunden in eine körperliche, geschlechtsspezifische Erfahrung. Ihr transgressives Pop-Universum umfasst weiche Falsettos, verzerrte Gitarren und tiefe, kehlige Vocals eingebettet in elektronische Glitches. In ihrer Musik und Kunst erschafft TRACE mit emotionaler Ehrlichkeit eine Intimität, die Wut, Trauer und Liebe in eine einzigartige Dream-Pop-Vision verwandelt und Vorurteile gegenüber Transidentitäten sprengt.
Veranstaltet von
Niederrheinisches Literaturhaus
Eintritt
12 Euro, 6 Euro ermäßigt für Schüler:innen, Studierende und Empfänger:innen von Sozialleistungen
Reservierung
über das Anmeldeformular (siehe oben)
Barrieren
Der Freiraum Kunst ist über eine Treppe und einen Aufzug erreichbar. Nach dem Aufzug müssen noch drei Stufen mit einer Rampe überwunden werden. Die Toiletten sind schmal und haben keine Griffe.

Gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen
Fotos: © Mina Amiri (Taha), Bahar Kaygusuz (TRACE)
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