Cover von Herbert Genzmers Thriller "Liquid"

Liquid

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Dystopischer Thriller von Herbert Genzmer

Schon praktisch, das schnelle Bezahlen mit EC-oder Kreditkarten. Seit Corona spielt selbst in Deutschland Bargeld eine immer geringere Rolle. Schon überlegen Staaten, die Ausgabe von Bargeld ganz einzustellen. Mit dem schönen Nebeneffekt, kriminelle Geschäfte von der Schwarzarbeit bis zur Geldwäsche der Drogenmafias deutlich zu erschweren.

Aber irgendwie ist es doch ziemlich besorgniserregend, dass über den schnellen Brötchenkauf, die Bezahlung der Tankfüllung oder den Kauf der Bahnfahrkarte von allen plötzlich ein komplettes Bewegungsprofil des eigenen Alltags digital erstellt wird.

Das ist der Ansatz für den neuen Roman des Niederrheinischen Literaturpreisträgers Herbert Genzmer. Der gebürtige Krefelder und Kosmopolit hat schon seit Ende der achtziger Jahre eine ganze Reihe von sehr spannenden und plot-orientierten Romanen veröffentlicht. Sein neuestes Werk „Liquid“ (Solibro Verlag) erscheint nun erstmals explizit als dystopischer Thriller.

„Liquid“ erzählt vom Jahr 2029, in dem sich Banker und Politiker zusammentun, um das Bargeld endgültig abzuschaffen. Damit nicht genug: In der Wüste New Mexicos entdeckt die Biochemikerin Madeleine Alberti, dass die Menschen im gleichen Zug mit einem neuartigen liquiden Daten- und Kreditträger geimpft werden sollen. Sie betätigt sich als Whistleblowerin und muss fliehen. Es ist der Beginn einer atemlosen Hetzjagd über den halben Globus bis nach Frankfurt, wo sich die rechtsextreme Regierung eine schwere Flutkatastrophe zu Nutze macht, um die Gegner:innen ihres Vorhabens auszuschalten.

Geschrieben hat Genzmer dieses Buch schon vor der Pandemie. Aber es wirkt natürlich trotzdem sehr irritierend, dass darin eine Regierung genau das tut, was irre und zudem oft antisemitische Verschwörungstheoriker:innen über die Corona-Impfung behaupten. Wird das Ganze auf einmal vorstellbarer, wenn eine rechtsextreme Regierung die totale Kontrolle über die Opposition und überhaupt die Bevölkerung gewinnen will?

Es lohnt, Genzmers „Liquid“ zu diskutieren – zum Beispiel am 19. Mai bei seiner Lesung im 35Blumen in Krefeld. Denn die teils zynischen Mechanismen politischer Machtausübung, die der Autor beschreibt, werden dort durchaus mit realen Zitaten belegt und die Folgen, die das Verschwinden des Bargelds hat, sind auch in der Realität erkennbar (siehe oben).

(TH)

Herbert Genzmer: Liquid. Solibro Verlag 2022, Münster

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